Marianne Hippler | Kunst der Stille
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Kunst der Stille

Laute Geschäftigkeit des Alltages –

Anrufe, Emails ,Termine –

ich muss raus.

 

Gehe in mein Atelier,

begrüße die STILLE.

Unordnung empfängt mich –

das Chaos meiner letzten Grabungen

starrt mich an.

 

Pinsel, Farbreste,

Kreiden und kaputte Leinwände,

zerbrochene Figuren –

ein Kopf fällt.

Beginne aufzuräumen,

nichts hilft – STILLE.

Lausche nach innen mir zu.

Sitze still, denke laut.

 

Ich greife rastlos zum Pinsel,

zum Spachtel,

mische Farbe,

rühre Zement, Sand, Steine, Pigmente,

schütte es aus,

schütte mich aus…

die Leinwand hält still.

 

Ein lautes, flimmerndes Bild entsteht,

Farben laufen,

Striche tanzen,

Linien spuren sich ihren Weg.

Ich trinke STILLE –

Ich bin auf dem Pfad,

erhasche die Wahrheit mal hier,

mal dort –

verliere sie wieder.

 

Lasse – mich – gehen,

werde zum Werkzeug dessen,

was vor meinen Augen geschieht.

Ich werde zuweilen

eine einzige FRAGE.

Es malt mich.

Ich werde gemalt.

 

Erstaunen und Nachdenklichkeit.

Ich trete zurück und

lasse es sprechen –

mein neugeborenes Bild.

Es bittet um STILLE.

 

Ich betrachte Dich

viele Tage –

STILLE ist fruchtbar,

STILLE gebiert

immer wieder

„neue“ Bilder in altem Gewand.

 

M. Hippler